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Kirche-Welt / 100 Jahre Kirchturm

100 Jahre Welter Kirchturm

Stifterehepaar Catharina Schacht und  Magnus Abraham Pauls

Stifterehepaar

Catharina Schacht und Magnus Abraham Pauls

(Verfasser: Boy Pauls)
Einleitend eine Beschreibung der Familie des Stifters Magnus Abraham Pauls.
Er wurde am 19.04.1816 geboren als Sohn des Lehnsmannes Hans Pauls in Kating Pemörhof und der Margarethe Dorothea geb. Abraham aus Welt. Am 19.04.1845 heiratete er Catharina Schacht, eine Tochter des Kirchspielskrugwirts Claus Schacht in Kating. Magnus A. Pauls wurde Besitzer des Hofes seines Großvaters Magnus Abraham, heute Marienhöh genannt. Der Hof war 69,5 ha groß mit 2 Haubarge.
Dem Ehepaar M. A. Pauls wurde am 16.03.1846 nur eine Tochter Doris geboren. Sie heiratete am 06.08.1873 ihren Vetter Johannes Magnus Pauls vom Nachbarhof. Doris bekam 15 ha Land von ihrem Vater mit in die Ehe und wurde mit ihrem Mann auf dem Kampenhof ansässig.
Am 06.11.1894 starb Frau Catharina an den Folgen des Gehirnschlags, den sie am 15.04.1894 erlitt. Der Schwiegersohn Lehnsmann Johannes M. Pauls starb am 06.01.1896 am Herzschlag und am 21.03.1896 erlitt seine Frau Doris einen Schlaganfall, von dem sie sich wieder erholte. Nach einem Schlaganfall am 27.02.1897 verstarb sie. Alle Familienangehörige wurden in einem Kellergewölbe beigesetzt, wo auch Magnus Abraham Pauls selbst, nach seinem Tode am 13.07.1898, seine letzte Ruhe fand.
Am 10.08.1897 errichtete M. A. Pauls vor dem Notar Justizrath Hagemann in Tönning ein Testament. Am 21.10.1897 machte er einen Schenkungsvertrag mit dem Kirchenvorstand in Welt über 18.000 Mark für den Bau einer Heisswasserheizung in der Kirche und den Bau eines Kirchturms mit einer Turmuhr, einem Glockenstuhl für zwei Glocken sowie einer Treppe mit Pforte an der Straße. Zur Auflage machte er die Fertigstellung bis Ende 1898.
Am gleichen Tag machte Johann Magnus Tetens, ein Neffe des Magnus A. Pauls, einen Schenkungsvertrag mit dem Kirchenvorstand über 5.000 Mark für eine Orgel für die Kirche mit der gleichen Auflage.

Stifter des Kirchturmes der Kirche St. Michael, Welt Stifter der Orgel in der Kirche St. Michael, Welt

Im Januar wurden alle Kostenvoranschläge angefordert. Der Architekt Carl Voss aus Kiel wurde mit der Bauleitung beauftragt. Mit dem Bauunternehmer J. W. Jensen in Garding wurde am 23.04.1898 der Bauvertrag geschlossen. Die ganzen Bauvorhaben müssen also zügig vorangegangen sein, denn die meisten Rechnungen lagen schon im Nov. - Dez. 1898 dem Kirchenvorstand vor.
Die Heizung von der Firma J. L. Bacon, Berlin kostete 1.625 Mark, wovon 10% als Garantiesicherheit bis 1903 einbehalten wurden.
Die Turmuhr lieferte J. F. Weule aus Brockenem im Harz für 1.520 Mark bei 10 % Rabatt.
Das Christusbild über der Eingangstür aus Stiftmosaik kostete 325 Mark und wurde von dem Steinmetz F. Rössler, Kiel gefertigt. Ebenso wie die Gedenktafel (s.o.) im Turm für 27,50 Mark.
Die Orgel wurde von dem Königlichem Preußischen Hoforgelbaumeister W. Sauer aus Frankfurt an der Oder geliefert.
Die Kosten betrugen 6.039,14 Mark.
Den Orgelboden und die Verkleidung machte der Tischler J. C. Hennings aus Garding für 500 Mark.
Zimmermeister Comils Christian und mehrere Helfer aus Welt haben an dem Bau mitgewirkt.
Die Glocke aus dem alten hölzernen Glockenturm wurde von C. Oberg aus Wismar in Mecklenburg für 215 Mark im neuen Kirchturm aufgehängt.
Ein Kirchenmusikdirektor aus Eutin hat am 20.12.1898 ein Gutachten abgegeben.
Die Gesamtkosten für den Turm einschließlich der Orgel betrugen 24.930,54 Mark.
Dem Kirchenvorstand mit Pastor Wichmann als Vorsitzenden gehörten noch J. G Meister, J. W. Hansen, P. A. Berens und P. Boyens, Grothusenkoog an.
Außer der geschenkten Summe wurde der Kirche noch Legate vermacht für Verschönerung des Friedhofs und der Kirche, sowie für die Grabpflege des Magnus Abraham Pauls für 100 Jahre, danach fällt es an die Kirche.
Auch sollten Bibeln an in der Welter Kirche getraute Eheleute und Konfirmierte geschenkt werden. Anstatt Bibeln hat man aber Gesangsbücher gegeben.

Im Testament bestimmte M. A. Pauls, dass den Vermögensanteil seiner Frau ihre Neffen und Nichten, die Kinder ihres Bruders, erben sollen, so ist es auch geschehen. Schon früher hatte Pauls ein Legat von 6.000 Mark der Kirche vermacht für eine bessere Besoldung des Lehrers in Welt.
Als Testamentsvollstrecker wurde der Rechtsanwalt Hagemann, Tönning eingesetzt.
Der Hof wurde mit Gebäuden im ganzen für 2.500 Mark je ha = 173.796,75 Mark an A. Petersen, Garding verkauft. Außer einem Legat von 22.000 Mark an die Kirche erhielten noch 15 Personen, Bedienstete, Nachbarn, Hebamme und die Hausdame Legate in Höhe von 51.000 Mark, so dass der Kirche noch eine Summe von etwa 45.000 Mark verblieb. Die Hausdame erhielt bis an ihr Lebensende die Zinsen von 12.000 Mark, sowie verschiedene Möbel und die Kleidung aus dem Nachlass.
Aus dem Legat an die Kirche sollten die Zinsen für Predigerwitwen und als Gehaltsverbesserung des Pastors verwendet werden. Ein erheblicher Teil des Vermögens wird wohl der Inflation nach dem 1. Weltkrieg 1923 zum Opfer gefallen sein